Worum es geht und was nützt

Evidenz-basierte Medizin

Worum es geht und was nützt
© Andrea Fettweis-fotolia.com

von Conny Dollbaum-Paulsen

Evidenz-basierte Medizin hat den hohen Anspruch, Behandlungsentscheidungen anhand von drei Säulen zu rechtfertigen: wissenschaftliche Überprüfbarkeit, klinische Erfahrung und Patientenwillen sollen so miteinander verbunden werden, dass eine bestmögliche Behandlung daraus werden kann. Das liest sich zunächst einwandfrei, bliebe nicht der ein oder andere Zweifel an der flächendeckend sinnvollen Umsetzung in die Praxis und an der Anwendbarkeit auf integrative Medizin.

Integrative Verfahren aus Naturheilkunde und Energiemedizin sollten selbstverständlich ebenso integrierbar sein wie wie schulmedizinische Behandlungen. Dem ist leider nicht so - das mag daran liegen, dass zumindest eine der drei Säulen, die wissenschaftliche Überprüfbarkeit, (noch) nicht immer gut auf alternative Verfahren anzuwenden ist.

Evidenzbasierte Medizin ist der gewissenhafte, ausdrückliche und angemessene Gebrauch der gegenwärtig besten vorhandenen Daten aus der Gesundheitsforschung, um bei Behandlung und Versorgung von konkreten Patienten Entscheidungen zu treffen. EbM beinhaltet die Integration individueller klinischer Expertise mit der bestmöglichen Evidenz aus klinischer Forschung und der Präferenz des Patienten. Quelle Deutsches Ärzteblatt

Säule eins: Wissenschaftlichkeit

Hier sollen auf Grundlage bestmöglicher Evidenz, am besten anhand randomisierter Studien (also Studien, die durch den zufälligen Einsatz von Placebos und Medikament ein hohes Maß an Objektivität garantieren) ein sog. Goldstandard für die Behandlung einzelner Erkrankungen beschrieben werden. Nehmen wir die Homöopathie als Beispiel einer integrativen Behandlungsmethode, lehnen viele Schulmediziner*innen sämtliche Studien dazu als nicht valide oder gar der Wirksamkeit widersprechend ab. Wer also will an dieser Stelle entscheiden, welche Forschungsergebnisse zum Standard der evidenzbasierten Medizin passen?

Der Zentralverein homöopathischer Ärzte jedenfalls informiert regelmäßig und nach den Regeln wissenschaftlicher Standards über Studien zur Homöopathie: https://www.homoeopathie-online.info/category/forschung/

Fazit: Die enge Definition dieser Säule macht eine Umsetzung in vielen Fällen schwierig bis unmöglich., weil es für viele Verfahren bisher keine Forschung gibt – sie wird dem Ansatz integrativer Medizin nicht gerecht. Als Beispiel einer guten Entwicklung kann hier die Forschung zu Achtsamkeit erwähnt werden – mittlerweile gibt es ausreichend Studien dazu, so dass aus einer exotischen Methode ein anerkanntes Therapieverfahren werden konnte – andere Ansätze sind von diesem Standard leider noch weit entfernt.

Säule zwei: Erfahrung

Es ist ein echter Fortschritt der EBM, dass die klinische, also praktische Erfahrung der behandelnden Therapeut*innen mit den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung kombiniert werden muss – nur so kann eine Behandlung erfolgen, die Theorie und Praxis auf nachvollziehbarer Grundlage verbindet.

Bezogen auf die Anwendung der Homöopathie hieße das: Die klinische Erfahrung homöopathisch arbeitender Behandler*innen, die eine Grundvoraussetzung für die Anwendung der Homöopathie überhaupt ist, wird zum wichtigen Bestandteil solider Behandlung. Kombinieren wir die Vielzahl homöopathischer Studien mit der praktischen Erfahrung der Anwender*innen, wird daraus eine solide Grundlage evidenzbasierter Medizin.

Fazit: Die Homöopathie, wie viele andere Verfahren integrativer Medizin auch, lebt von der Erfahrung ihrer Anwender*innen – diese bildet neben der phänomenologischen Anamnese die Grundlage der Methode.

Säule 3: Patient*innenwille

Die Forschung zu Salutogenese, die sich wissenschaftlich mit „Gesundungs-Faktoren beschäftigt, weiß schon lange, dass Verstehbarkeit ein wesentlicher Aspekt für Wirksamkeit einer Behandlung darstellt. Wer als Patient*in weiß, was therapeutisch geplant ist, dies wirklich versteht und darüber hinaus eine Wahl hat, wird besser gesund. Das ist Fakt.

Voraussetzung dazu ist die sog. Informierte Einwilligung – heißt: Ich muss verstehen, welche Behandlung mir empfohlen wird und ich muss mindestens eine Alternative kennen – denn nur dann habe ich die Wahl.

Leider liegen die Welten von Therapeut*innen (auch integrativen) und Patient*innen viel zu oft zu weit auseinander – es fehlt die Synchronisierung wissenschaftlicher Beweislage zu persönlicher Erfahrung. Und es fehlt das Vertrauen in die Kompetenz mündiger Patient*innen, die sich entscheiden wollen – aber nicht können, wenn sie nicht um Alternativen wissen.

Fazit: Diese Säule bezieht diejenigen mit ein, um die es geht – fernab von Laborstudien und der Erfahrung medizinischen Fachpersonals machen Menschen Erfahrungen mit sich, mit einer Erkrankungen, mit verschiedenen Arten der Begleitung – ihnen sehr genau zuzuhören, macht jede Behandlung besser.

Evidenz-basiert integrativ?

Wenn nach einer aktuellen Forsa-Umfrage mehr als 50% der Befragten bereits gute Erfahrung mit Methoden wie der Homöopathie gemacht haben und ebenfalls mehr als 50% der Meinung sind, dass sich eine Medizin-Wende hin zu Integrativer Medizin abzeichne, wird es höchste Zeit, dass alle Beteiligten aus Schulmedizin und Naturheilkunde beginnen, einander zu akzeptieren. Und das Beste aus beidem so zu kombinieren, wie es die angemessen und persönlich informierte Patient*in entscheidet.

Als Heilnetzerin träume ich davon, begleitet zu werden, bevor eine Behandlung beginnt  - mit mindestens zwei Diagnosen aus Schulmedizin (Labor oder MRT) und Energiemedizin (Bioresonanz oder Kinesiologie), mit einer Aufklärung über verschiedene Behandlungskonzepte, mit Infos dazu, wie ich eine invasive Therapie vielleicht naturheilkundlich begleiten lassen kann. Mit Ideen dazu, wie gesünderes Leben für mich besser umsetzbar sein kann. Und weil aus Träumen Wirklichkeit wird, wenn viele den gleichen Traum haben, machen wir mit Heilnetz genau an der Stelle weiter: Offen, so undogmatisch wie möglich und natürlich ganzheitlich.

Links zum Thema:

Das Netzwerk zu Evidenz basierter Medizin
www.ebm-netzwerk.de

Die Forsa-Umfrage:
www.homoeopathie-online.info/aktuelle-studie-deutsche-wuenschen-sich-ein-miteinander-von-schulmedizin-und-ergaenzenden-therapien/

Homöopathische Ärzte und die Forschung:
www.dzvhae.de/homoeopathische-aerzte-begruessen-die-einrichtung-von-lehrstuehlen-zur-integrativen-medizin-und-wehren-sich-gegen-einen-verengten-evidenzbegriff/

 

 

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